Entscheidung unter Physikern? Wandlungen in der Fachsektion Physik der Leopoldina im Nationalsozialismus
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- Ort Lesesaal der Leopoldina Emil-Abderhalden-Str. 36 06108 Halle (Saale)
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In der Forschung zur Leopoldina in der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Ebene der Mitglieder bislang nur randständig behandelt. Dabei verfügte die Deutsche Akademie der Naturforscher im Vergleich zu anderen Akademien der Zeit über eine ungewöhnlich breite Mitgliederbasis. Gerade diese Vielzahl an Zuwahlen eröffnet die Möglichkeit, über Einzelbiographien hinaus Praktiken der Mitgliedsaufnahme und ihre Legitimation zu untersuchen. Für die Physik-Sektion der Akademie, in der wissenschaftlich prominente und politisch belastete Namen in besonders verdichteter Form auftreten, wurden die Aufnahmen in die Akademie bislang vor allem aus den Entwicklungen der Physik selbst gedeutet. Diese Perspektive erfasst fachgeschichtliche Veränderungen, lässt aber offen, ob und wenn ja, nach welchen weiteren Kriterien, Begründungen und Verfahrenslogiken Mitgliedschaften in der Leopoldina zustande kamen. Der Werkstattbericht aus dem laufenden Dissertationsprojekt „Entscheidung unter Physikern“ setzt hier an und versteht die Zuwahlen als kollaborative Bewertungs- und Entscheidungsprozesse mit eigenen Regeln, Konstellationen und Bedingungen. Im Zentrum steht die Frage, wie in den Zuwahlen der Physik-Sektion insbesondere zwischen 1933 und 1945 verhandelt und entschieden wurde, wer als aufnahmewürdig galt, und inwiefern sich der NS-Kontext in diesen Verfahren niederschlug. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Mitgliedern, die wiederholt Vorschläge zur Zuwahl einreichten, weil sich an ihnen serielle Muster und mögliche Wandlungen der Vorschlags- und Begründungspraxis besonders gut beobachten lassen.
Lisa Stolz ist Historikerin und wissenschaftliche Projektkoordinatorin des von der VolkwagenStiftung geförderten Projektes „Biographische Studien zu Leopoldina-Mitgliedern im Nationalsozialismus“ und promoviert zu ihrem Vortragsthema an der Universität zu Köln.
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Christina Brandt, Bettina Hitzer, Friedrich Steinle, Danny Weber und Renko Geffarth
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