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Nachricht | Dienstag, 2. April 2019

Beobachtung und Theorie in der Anatomie der Frühen Neuzeit

Vortrag im Wissenschaftshistorischen Seminar von Dr. Mattia Mantovani (Leuven)

Beobachtung und Theorie in der Anatomie der Frühen Neuzeit

L’homme de René Descartes Foto: Wikimedia Commons

Ist jede Beobachtung nicht eigentlich von einer Vorannahme bestimmt? Inwieweit prägen die Kategorien der Beobachter deren visuelle Wahrnehmung selbst? Gibt es so etwas wie „reine“ Beobachtung, einen offenkundigen Zugang des Menschen zur Welt um ihn herum? Diese Fragen der Theorie der Beobachtung, mit denen sich die Wissenschaftsphilosophen seit langem beschäftigen, werden am Dienstag, 2. April, im Wissenschaftshistorischen Seminar in Halle (Saale) anhand eines historischen Beispiels auf neue Weise diskutiert.

Der Sehsinn und sein Zusammenspiel mit dem Verstand waren gerade in der Frühen Neuzeit ein zentraler Diskussionspunkt, wenn es darum ging zu klären, wie verlässlich Sinneswahrnehmungen sind. Die Anatomie erhebt ihrerseits den Anspruch, eine Disziplin zu sein, die sich rein auf den sinnlichen Augenschein und damit auf empirische Evidenz stützt. Die anatomische Untersuchung des Sehsinnes erlaubte zudem schon früh Aufschlüsse über die organische Struktur des Sehsinnes, seine Struktur und sein Funktionieren.Doch sind, so wurde im 17. und 18. Jahrhundert gefragt, die Sehnerven wirklich hohl?

Der Vortrag zeigt, dass diese scheinbar marginale Frage zu einem der Kernpunkte der Diskussion zahlreicher renommierter Wissenschaftler wurde. Vesalius und Kepler, Descartes und Newton, kurz: einige der Gründerväter dessen, was wir heute als moderne Wissenschaft verstehen, vertraten nicht nur sehr unterschiedliche Positionen zu dieser Frage, Grundlage ihrer Antworten waren auch jeweils unterschiedliche Theorien. 

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